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      Repair-Café in Landsberg

      Reparieren statt wegwerfen

      Repair-Café in Landsberg
      Repair-Café in Landsberg

      Wegwerfmentalität war gestern. In Repair-Cafés stellen Ehrenamtliche ihr Fachwissen zur Verfügung und helfen den Besucher:innen dabei Altes und Neues zu reparieren. So zum Beispiel auch im Repair-Café in Landsberg am Lech. Wolfgang Biehr ist Initiator der Initiative und erklärt, warum heute so viel so früh kaputtgeht, wie sein Repair-Café funktioniert und wann ihn und seine Tüftler der Ehrgeiz so richtig packt.

      Warum gibt es Repair-Cafés?

      Der Toaster toastet nicht mehr. Ärgerlich, denn das Teil ist noch gar nicht so alt. Andererseits ist die Garantie vor ein paar Wochen abgelaufen und wirklich teuer war das Gerät auch nicht. Also wegwerfen und ein neues kaufen? Da hat das Umwelt-Gewissen etwas dagegen.

       

      53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott kamen weltweit im vergangenen Jahr zusammen. Das Gewicht von 350 großen Kreuzfahrtschiffen. Allein in Deutschland fielen 2019 laut „Global E-Waste Monitor 2020“ knapp zwei Millionen Tonnen an – das sind mehr als 20 Kilogramm pro Bundesbürger. Tendenz steigend. Und: Die Recyclingquote für Geräte mit Stromanschluss oder Batterie beträgt bei uns nur rund 50 Prozent. Also was tun?


      Das Repair-Café in Landsberg am Lech

      Dass hierzulande zu viele Dinge viel zu schnell auf dem Müll landen, hat Wolfgang Biehr aus Landsberg am Lech schon vor Jahren genervt.

       

      Der gelernte Elektrotechniker wollte im Ruhestand ehrenamtlich arbeiten, als er von der niederländischen Stiftung „Stichting Repair Café“ hörte. Freiwillige organisieren Reparatur-Treffs, um defekten Dingen neues Leben einzuhauchen. „Das passt doch“, dachte er sich vor gut sechs Jahren – und suchte über die örtliche Zeitung Mitstreiter. „Es meldeten sich sehr viele, sehr gute Techniker“, erinnert sich Biehr. Die meisten waren wie er im Ruhestand, und fast alle sind heute noch dabei. Denn Biehr initiierte das Repair-Café in Landsberg. Schon zum ersten Treffen kamen 110 Besucher.

      Wolfgang Biehr vom Repair-Café Landsberg
      Wolfgang Biehr vom Repair-Café Landsberg am Lech findet es schade, dass so viele Dinge auf dem Müll landen. Man kann sie doch reparieren...


      Vom Röhrenradio bis zum Kuscheltier

      Seitdem treffen sich jeden Monat die ehrenamtlichen Helfer und viele begeisterte Unterstützer und reparieren gemeinsam kaputte Hosen, Spielzeuge, Elektroartikel oder auch Möbel. Nur wegen Corona waren die Termine zuletzt ausgesetzt. „Über 3.000  Reparaturen haben wir bisher ausgeführt“, resümiert Biehr nicht ohne Stolz. Vom 50 Jahre alten Röhrenradio bis zum heiß geliebten Kuscheltier, dem ein Auge abhanden gekommen war.

       

      „Einmal bekamen wir einen Tisch mit einem Metall-Hängekorb unter der Platte herein“, erinnert sich der Organisator. „Das war der Lieblingsplatz der Katze. Aber der Korb war durchgebrochen.“ Also wurde fix ein neuer Draht eingeflochten. Und Miezi konnte dort wieder kuscheln.

      So funktioniert das Repair-Café

      Aber wann und wo wird der Toaster repariert?  „Üblicherweise kommen sie am letzten Samstag im Monat zwischen 13 und 16.30 Uhr ins Repair-Café im Jugendzentrum in Landsberg. Coronabedingt geben wir die jeweilige Veranstaltung in den Medien und auf der Homepage bekannt“, sagt Biehr. 

       

      Bei der Anmeldung wird ein Bedarfszettel ausgefüllt, der dann an eine Pinnwand kommt. Um die Wartezeit, bis sich einer oder eine der meist 20 bis 25 Reparateure und Reparateurinnen den Auftrag schnappt, zu versüßen, bietet das Café gegen eine Spende Kaffee und Kuchen an (nicht bei Corona). 

       

      Dann wird gemeinsam repariert. „Dieses ,gemeinsam‘ ist uns wichtig“, unterstreicht der Reparatur-Koordinator. Zum einen sieht der Besucher, was mit seinem guten Stück passiert. Und andererseits bekommt er vielleicht eine Idee, was er das nächste Mal selbst machen kann.

      Hilfe zur Selbsthilfe

      Biehr will die Leute auch zur Selbsthilfe animieren. Dazu, dass sie ihre Schwellenangst abbauen und sich auch selbst Hand anlegen trauen. Denn: „Kaputt ist eh schon kaputt.“ Und wenn der Versuch nicht fruchtet, können die Reparateure immer noch ihr Glück versuchen.

       

      „Einmal ist eine Dame gekommen mit einem Staubsauger, der nicht mehr saugte“, schmunzelt Wolfgang Biehr. Das Problem war schnell erkannt: „Da war ein Korken im Schlauch. Künftig wird sich die Dame in so einem Fall selbst zu helfen wissen.“ Oft gibt es auch richtig gute Reparaturanleitungen im Internet. Gerade auch für technische Geräte.

       

      Aber alles schaffen die Profis vom Repair-Café Landsberg auch nicht. 50 bis 70 Reparaturen machen sie an einem Reparatur-Samstag. Die Erfolgsquote beziffert Biehr auf rund 80 Prozent. Bei jeder fünften Reparatur benötige man Ersatzteile. „Wir helfen dem Besitzer, diese Teile zu besorgen. Beim nächsten Termin kann die Apparatur dann wieder laufen.“ Eine begrenzte Menge üblicher Kleinteile steht sogar kostenlos zur Verfügung.


      Reparatur-Tage im Repair-Café Landsberg
      Zu den Reparatur-Tagen im Repair-Café Landsberg am Lech kommen oft über 100 Besucher. Vier von fünf verlassen das Café mit erfolgreich reparierten Gegenständen.

      Die Veranstalter wollen Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln
      Gemeinsam reparieren ist den Veranstaltern des Repair-Cafés wichtig. Sie wollen den Besuchern damit auch Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln.


      Was kann man in Repair-Cafés reparieren?

      Alles, was man tragen kann

      Repariert wird übrigens alles, was im Haushalt kaputt ist und was man ins Café tragen kann: Spielzeug, Stühle, Kaffeemaschinen und vieles mehr.

       

      Aber es gibt auch Ausnahmen: Haushaltsgroßgeräte wie Wasch- und Spülmaschinen (sind zu groß zum Tragen), Rasierapparate (wegen der Hygiene), Handys (weil hier der Aufwand mit oft mehreren Stunden zu groß ist und andere Besucher dann warten müssten) und Mikrowellengeräte (wegen der Strahlungsquelle).

      Apropos Sicherheit: Bei Elektrogeräten wird die Isolierung nach den Richtlinien des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE) geprüft.

       

      „Eine Garantie auf reparierte Geräte ist nicht möglich. Die Bedingungen für eine gemeinsame Reparatur und Nachbarschaftshilfe sind aus der ausgelegten Hausordnung ersichtlich“, so der Organisator des Cafés. Der Träger der Initiative, die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Landsberg, kümmert sich um Versicherungen und Rechtliches. Denn eine Garantie, dass vor allem technische Geräte nach der Reparatur auch dauerhaft funktionieren, stellen die Tüftler nicht aus. Dafür ist die Reparatur auch kostenlos.

      Alte Dinge sind oft leichter zu reparieren

      Im Prinzip versuchen die Reparateure dennoch, alles wieder funktionsfähig zu machen: den Wollpullover mit Loch am Ellbogen, den 30 Jahre alten CD-Player genauso wie eine 100-jährige Uhr.

       

      „Alles ist reparierbar“, sagt Biehr. Und schränkt die Aussage gleich wieder ein. Denn: je älter, desto besser. „Die Gehäuse alter Geräte sind meist aufschraubbar, oft liegen sogar Schaltpläne drin. Bei neuen Produkten sind die Schalen oft verklebt oder beim Öffnen brechen Plastikklipse ab. Manchmal sind Platinen regelrecht eingegossen“, ärgert er sich.

       

      Wobei: Es tut sich was. „Die Politik hat das Thema erkannt“, lobt der Techniker. Hersteller sollen verpflichtet werden, dass ihre Erzeugnisse reparierbar und Ersatzteile verfügbar sind. Leider sei die Realität heute aber noch eine andere.

      Kurzlebige Produkte und Wegwerf-Mentalität

      Gewollt kaputt?

      Ob das so gewollt ist? Schließlich könnte man ja auf die Idee kommen, dass es den Produzenten und ihren Absatzzahlen nützt, wenn Dinge schnell kaputtgehen und die Verbraucher dann auch schnell wieder einen Ersatz kaufen – ganz nach dem Motto „Was lange hält, bringt kein Geld.“

       

      Gibt es also die „geplante Obsoleszenz“, das eingebaute „Veralten von Produkten“, das die Industrie nach Ansicht einiger Verbraucher absichtlich herbeiführen soll? Der gelernte Elektrotechniker überlegt und meint schließlich: „ Manchmal würde man sich wünschen, dass man Bauteile einsetzt, die die Langlebigkeit der Geräte erhöhen. Manchmal würden die besseren Bauteile nur ein paar Cent mehr kosten.

      „Fast Fashion“ wird zum Problem

      Dabei müssen sich Verbraucher durchaus an die  eigene Nase fassen. Neue Artikel werden oft gekauft, nicht weil die alten kaputt sind – sie sind einfach nicht mehr „in“. Das gilt für technische Geräte genauso wie für Mode. Laut Greenpeace expandiert der Sektor „Fast Fashion“ enorm. Die Bekleidungsproduktion hat sich von 2000 bis 2014 verdoppelt. 2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke neu produziert.

      Deutsche Verbraucher kaufen im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr – tragen diese allerdings nur noch halb so lang wie früher. Und Greenpeace kritisiert noch mehr: „Weil Mode so günstig ist, ist sie zur Wegwerfware verkommen: Die Trends von heute sind der Müll von morgen.“

      Die Lebensdauer von technischen Geräten

      Ähnlich liegt der Fall bei Computern und Handys. Obwohl das Produkt tadellos funktioniert, muss ein neues her, weil es mehr Funktionen hat oder einfach nur aktueller ist.

       

      Die Stiftung Warentest fragte ihre Leserinnen und Leser, wie lange deren Haushalts- und Multimediageräte ohne Macken funktionieren und wie ihre Erfahrungen mit Reparaturen sind. Das Ergebnis: Fast 80 Prozent der gemeldeten Geräte funktionieren auch nach Jahren noch tadellos. Mobiltelefone dagegen machten bereits nach etwa einem Jahr Probleme. Drucker, Notebooks, Kaffeemaschinen, Staubsauger, Navis und Tablets waren rund zwei Jahre alt, als erste Fehler auftraten. Bei Kühl- und Gefrierschränken, Waschmaschinen und Geschirrspülern zeigten sich Schäden nach etwa fünf Jahren Nutzung.

      Teurere Geräte werden dabei öfter repariert als günstige. Nach einer Reparatur liefen zwei Drittel der kaputten Geräte nicht wieder einwandfrei und waren schrottreif, so Stiftung Warentest.

      Die meisten Elektrogeräte können repariert werden
      Die allermeisten Elektrogeräte können repariert werden. Dennoch produziert jeder Bundesbürger pro Jahr mehr als 20 Kilogramm Elektroschrott.


      Repair-Cafés: Konkurrenz für Händler und Werkstätten?

      „Ganz im Gegenteil“, sagt Wolfgang Biehr vom Repair-Café Landsberg am Lech. Es sei oft schwierig, überhaupt eine Reparatur-Werkstatt zu finden. Fachhändler würden gerne Neugeräte empfehlen oder die defekten Teile an den Hersteller zurückschicken.

      Oft sei dann schon das Angebot für eine Reparatur kostenpflichtig. „Bei 50 oder 60 Euro Reparaturkosten für einen 100-Euro-Artikel hat sich die Frage nach reparieren oder einfach wegwerfen und neu kaufen schnell erledigt“, weiß Biehr. Oft würden Werkstätten auch auf Reparatur-Initiativen verweisen – oder umgekehrt.

       

      „Einmal kam einer mit einer Kaffeemaschine, die er schon drei Mal während der Garantiezeit vom Hersteller hatte reparieren lassen. Wir haben es geschafft“, schmunzelt Biehr. „In solchen Fällen sind unsere Techniker echte Tüftler und entwickeln einen ganz besonderen Ehrgeiz.“  Nur künftig wohl an einem anderen Ort, denn das Repair-Café sucht eine neue Bleibe. Das Jugendzentrum steht bald nicht mehr zur Verfügung.

      Repair-Cafés in Deutschland sind voll im Trend

      Repair-Cafés gibt es bereits in 26 Ländern. Allein in Deutschland über 800: „Da sieht man schon die Unzufriedenheit der Verbraucher mit der Wegwerfgesellschaft“, so die Macher. Mehrere Tausend Besucher kamen bisher zu den Veranstaltungen in Landsberg. Zum Teil aus über 100 Kilometer Entfernung. Nicht nur mit kaputten Gegenständen. Einige haben sich auch Tipps und Impulse für eine eigene Reparatur-Initiative geholt. Denn das Thema liegt genauso wie Flohmärkte, Tauschbörsen und Kleiderkreisel im Trend. Weil Gebrauchsgüter und die Ressourcen, aus denen sie gemacht sind, einfach zu schade sind für ex und hopp. So wie der Toaster, der mit einer neuen Sicherung inzwischen wieder wunderbar toastet.

      Reparatur-Initiativen

      Piktogramm Glühbirne

      Reparatur-Treffs, Reparier-Bars, Repair Cafés etc. organisieren Veranstaltungen, bei denen defekte Alltagsgegenstände in angenehmer Atmosphäre gemeinschaftlich repariert werden: elektrische und mechanische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Textilien, Fahrräder, Spielzeug und andere Dinge. „Diese Treffen sind nicht-kommerzielle Veranstaltungen, deren Ziel es ist, Müll zu vermeiden, Ressourcen zu sparen, damit die Umwelt zu schonen und nachhaltige Lebensweisen in der Praxis zu erproben“, sagt Ina Hemmelmann von der Stiftung „Anstiftung“, die auch Interessierten Anschubhilfe bei der Organisation neuer Initiativen gibt. Anstiftung betreibt eine Onlineplattform, auf der deutschlandweit über 800 Initiativen mitsamt Adressen gelistet sind.

      Mehr unter:

      www.reparatur-initiativen.de


      Unser Alltag in Zahlen

      Wussten Sie schon...?

      1.728

      REPARATUREN

      • ... haben allein 36 Reparatur-Initiativen im Jahr 2019 durchgeführt. Laut „reparatur-initiativen.de“ wurden dadurch 21 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht fast 98.000  Kilometer mit dem Flugzeug. 273  Tonnen Boden und Gestein mussten nicht gefördert werden – der Jahresrohstoffverbrauch von etwa elf Personen.

      1 MIO.

      TONNEN ALTKLEIDER

      • ... landen jedes Jahr in deutschen Altkleidercontainern oder bei Sammlungen. Diese Menge füllt 62.000 Lkw. Laut „Fairwertung.de“ eine Lkw-Schlange von Flensburg bis Innsbruck. Das Sammelaufkommen wächst. Der Grund: immer häufigere Modewechsel und immer kürzere Nutzungsdauer von Bekleidung.

      13

      JAHRE

      • ... beträgt die Zeitspanne vom Kauf großer Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Kühlschrank bis zum Austausch. Das hat die Stiftung Warentest zuletzt für die Jahre 2012/2013 festgestellt. Im Jahr 2004 waren es noch 14,1 Jahre. Am häufigsten werden Geräte aufgrund eines Defekts ausgetauscht. Der Anteil ging aber leicht zurück von 57,6 Prozent auf 55,6 Prozent.

      22 MIO.

      SMARTPHONES

      • ... gehen laut Deutscher Umwelthilfe hierzulande jedes Jahr über den Ladentisch. Sie werden durchschnittlich alle 18 Monate ersetzt – für die Deutsche Telekom viel zu früh und ohne jede technische Notwendigkeit. Die Wiederverwendung der 124 Millionen Handys in deutschen Schubladen könnte bis zu 7 Millionen Tonnen CO2 einsparen – oder durch ihr Recycling ließen sich rund zweieinhalb Tonnen Gold, 25 Tonnen Silber und 900  Tonnen Kupfer zurückgewinnen.

      1.078,242

      KILOMETER

      • ... ist die Strecke, die sich ergeben würde, wenn man die in einem Jahr reparierten Waschmaschinen, Trockner, Herde, Spülmaschinen, Kühl- und Gefrierschränke aneinanderreihen würde. Die Strecke (Luftlinie) von Stuttgart nach Berlin und zurück. Das hat das Reparatur-Portal „meinmacher.de“ 2014 ausgerechnet. Es ging davon aus, dass rund 3.100 Reparaturbetriebe rund 1.797.00 Geräte reparierten.

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